Notfallvorsorge trägt wesentlich zur Unfallverhütung bei und hilft beim Rechtsschutz.

Dive Emergency Preparedness

Von Al Hornsby, Senior Vice President, Legal Affairs

Jeder Tauchunfall ist eine Tragödie für das Opfer und seine Angehörigen, für das Tauchpersonal, das den Tauchgang überwacht oder auf den Notfall reagiert und für das betroffene Tauchcenter oder Tauchboot. Niemanden lässt so etwas unberührt. Aufgrund der dem Tauchen innewohnenden Risiken kann niemand einen Unfall absolut ausschließen.

Aber es kann viel getan werden, um Unfälle zu vermeiden, die Folgen von Unfällen bereits in der Anfangsphase zu minimieren und mögliche negative Auswirkungen (insbesondere Rechtsstreitigkeiten) eines eingetretenen Unfalls zu begrenzen. Das ist Notfallvorsorge für den Tauchunfall.

Die Konzepte sind für Tauchcenter und -resorts, Tauchboote, individuelle Instructors und beaufsichtigendes Personal anwendbar. Bitte übertrage diese Ratschläge auf deine persönliche Situation im Tauchgeschäft oder als Tauchprofi.

Notfallpläne

Es ist zwar kein Branchenstandard, aber ein umfassender Notfallplan kann ausgesprochen nützlich sein. Er beschreibt die Prozeduren, Ausrüstung, Trainingsmaßnahmen, etc., die für das Unternehmen, Angestellte und Beauftragte im Tauchbetrieb nötig sind. Dazu gehören Rettungs- und Erste-Hilfe-Training, die Einhaltung von Standards und der entsprechende Papierkram, Inhalte des Tauchbriefings, Notfallmaßnahmen, Kontaktinformationen der Einsatzkräfte, Kommunikationsfähigkeit und so weiter.

Die Notfallpläne sollten offiziell und stets aktuell sein und mit allen Mitarbeitern und Beauftragten durchgegangen werden. Protokolliere diese Trainings. In den vergangenen Jahren wurde mindestens ein Prozess zu einem Tauchunfall verloren, weil es unter anderem ein unvollständiges Tauchbriefing gab, was ursächlich für den Unfall war. Zudem wusste die Bootsbesatzung nicht, wo die Notfallsauerstoffausrüstung sich befand, nachdem ansonsten wirksame Notfallmaßnahmen eingeleitet wurden. Das Unfallopfer starb ohne Sauerstoffzufuhr.

Notfallausrüstung

Die nötige Notfallausrüstung sollte verfügbar, dem Personal vor Ort vertraut und funktionsfähig sein. Notfallsauerstoff sollte als Standard angesehen werden und Sauerstoffflaschen müssen angemessen gefüllt und mit ordnungsgemäßen Dosiersystemen ausgestattet sein. AEDs gehören in vielen Bereichen noch nicht zur Standardausstattung (in bestimmten Bereichen sind sie jedoch erforderlich); in einigen Situationen können sie natürlich helfen.

Verfügbare Notfallausrüstung, die jedoch nicht funktionsfähig ist (z.B. wegen Gasmangel, fehlender Teile, leerer Batterien), kann die sachgerechte Versorgung eines Opfers verhindern und bei Rechtsstreitigkeiten einen großen Nachteil darstellen. Dergleichen Probleme haben in den letzten Jahren öfters zu hohen Entschädigungszahlungen geführt.

Emergency Equipment

Versicherung

Jeder, der das Tauchen unterrichtet oder überwacht, sollte ordnungsgemäß versichert sein – das beinhaltet Tauchcenter, Tauchboote, Instructors und Divemaster. Stelle sicher, dass Tauchcenter und Boote, mit denen ein Tauchprofi zusammenarbeitet, als zusätzlich Versicherte in seiner Berufshaftpflichtversicherung aufgeführt sind. Bei PADI Mitgliedern, die die von PADI empfohlene Versicherung haben, sind die Tauchcenter für die sie arbeiten automatisch zusätzlich Versicherte. Hat das Unternehmen die von PADI empfohlene Group Pro Versicherung, in der alle mit dem Tauchcenter verbundenen Tauchprofis eingeschlossen werden, ist das Unternehmen für ihre Aktivitäten abgesichert.

Stelle auch sicher, dass die Tauchboote, mit denen du arbeitest, versichert sind. Im Falle eines Unfalls kann es von großem Nachteil sein, wenn eine der in den Prozess verwickelten Parteien nicht über eine Versicherung verfügt. Denn dadurch wächst das Risiko, dass sich die unversicherte Partei mit dem Kläger zusammentut, um sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu schützen. Außerdem kann es eine Einigung blockieren, weil die unversicherte Partei sich die Teilnahme daran nicht leisten kann.

Drittparteien und Dienstleister

Wenn du nicht über ein Tauchboot, einen Pool oder einen Tauchplatz verfügst, musst du dafür mit Drittparteien zusammenarbeiten. Du solltest dich mit diesen Anbietern treffen, mehr über ihre Qualifikationen, ihre Aufsichts- und Kontrollverfahren lernen, dich zu ihrer Notfallausrüstung und Opferevakuierung informieren und herausfinden, ob sie versichert sind.

Ihr effektives Handeln kann verhindern, dass ein aufkommender Vorfall sich zum ernsthaften Unfall entwickelt. Es kann verhindern, dass ein Unfall schwere Verletzungen oder einen Todesfall zur Folge hat. Andersherum kann Unaufmerksamkeit oder ein Mangel an geeigneter Ausrüstung, Personal oder Training bei der eigentlich routinemäßigen Betreuung eines Tauchers zu einem schweren Unfall führen.

Leider waren unausgebildete oder unaufmerksame Tauchbootcrews sowie unzureichende Ausrüstung und Abläufe die wesentlichen Gründe für verlorene Prozesse zu tödlichen Tauchunfällen, bei denen auch Tauchlehrer und Tauchcenter genannt wurden.

„Bei der Beauftragung von Drittparteien solltest du dich mit ihnen treffen, mehr über ihre Qualifikationen, ihre Aufsichts- und Kontrollverfahren lernen, dich zu ihrer Notfallausrüstung und Opferevakuierung informieren und herausfinden, ob sie versichert sind.”

Notfallvorsorge für den Tauchunfall, besonders wenn sie offiziell gemacht und gelebt wird, kann wesentlich zur Unfallverhütung und zum Reaktionsvermögen beitragen. Bei Rechtsstreitigkeiten kann sie Professionalität belegen und die Verteidigung wirksam unterstützen. Umgekehrt kann der Nachweis fehlender Notfallvorsorge ein schwerwiegender Nachteil für den noch so gutmeinenden Tauchprofi oder das Unternehmen sein.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Ausgabe des 3. Quartals 2019 von The Undersea Journal.


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