Von DAN Mitarbeitern

Tauchschüler haben häufig Schwierigkeiten beim Druckausgleich. Die meisten Probleme können zwar durch mehr Übung gelöst werden, man muss aber auch berücksichtigen, dass bestimmte anatomische und physiologische Unterschiede den Druckausgleich erschweren können.

Verletzungen des Mittelohrs und der Eustachi-Röhre stellen den größten Anteil von Tauchverletzungen dar – ganze 38 Prozent von allen im 2018 DAN Annual Diving Report genannten Verletzungen (und 27 Prozent mehr als alle Fälle von Dekompressionsunfällen). Frische dein Wissen zu Funktionsstörungen der Eustachi-Röhre auf und bringe deine Schüler dazu, deinen Debriefings nach dem Tauchen zuzuhören, anstatt gleich den Arzt aufzusuchen.

Funktionsstörungen der Eustachi-Röhre sind seit längerem auf dem Radar von Tauchärzten, waren aber bis vor Kurzem schwer zu beziffern. Mit physikalischen Messungen und Impedanz-Tests konnte eine mit der Undersea and Hyperbaric Medical Society verbundene Forschergruppe die Funktion der Eustachi-Röhre mit Barotraumen des Innenohrs assoziieren.

Forschung

Kitajima und Kollegen verwendeten 2016 einen neuartigen Ansatz, kombiniert mit einigen einfachen Messverfahren, um den zum Öffnen der Eustachi-Röhre benötigten Druck, das maximale Luftvolumen im Mittelohr und die für den Druckausgleich benötigte Dauer festzustellen. Als Ausgangswert wird angenommen, dass etwa 200-650 Dekapascal (daPa) nötig sind, um eine gesunde Eustachi-Röhre zu öffnen. Dies entspricht dem Druckunterschied einer Tiefenänderung von 20-66 Zentimetern/8-26 Inch. Die Studie unterteilt die Funktionsfähigkeit der Eustachi-Röhren der untersuchten Taucher in drei Kategorien:

      1. Erweitert (offen, oder Öffnung erfordert weniger als 200 daPa)
      2. Normal (geschlossen, Öffnung erfordert weniger als 650 daPa und sofortiges Füllen bzw. Entleeren)
      3. Stenotisch (geschlossen, Öffnung erfordert mehr als 1200 daPa oder sehr langsames Füllen bzw. Entleeren)

Von oben nach unten entspricht dies guter, moderater und schlechter Funktionsfähigkeit der Eustachi-Röhre. Beim Vergleich der Messwerte mit den Vorfällen von Innenohr-Barotraumen der Taucher wurde festgestellt:

      1. Bei 30 Prozent der gesunden Taucher ohne bisherige Innenohr-Barotraumen fand ein langsamer Druckausgleich statt, aber der dafür benötigte Druck lag im Normalbereich.
      2. Bei Tauchern mit Innenohr-Barotraumen war die Eustachi-Röhre meistens stenotisch, mit langer Füll- bzw. Entleerungsdauer oder erhöhten Druckanforderungen zum Öffnen.
      3. Taucher mit Innenohr-Barotraumen und Perilymphfistel (Flüssigkeitsübertritt im ovalen Fenster des Ohres, meist durch erzwungenen Druckausgleich ausgelöst), hatten mit Abstand die gravierendsten Funktionsstörungen der Eustachi-Röhre. Es wird vermutet, dass bei diesen Tauchern der bei einem erzwungenen Druckausgleich angewendete Druck Grund für das Innenohr-Barotrauma sein könnte. Die Studie präsentiert 11 Fälle von durch Innenohr-Barotraumen entstandene Perilymphfisteln.
      4. Einige der Taucher mit Innenohr-Barotrauma verfügten zum Testzeitpunkt über eine normale Funktion der Eustachi-Röhre.

Schlussfolgerungen

Es gibt messbare anatomische und physiologische Unterschiede, die den Druckausgleich für einige Tauchschüler erschweren können. Taucher können, unabhängig von der Funktionskategorie der Ohren, Verletzungen durch langsamen, vorsichtigen Druckausgleich vermeiden. Taucher, die wiederholt Schwierigkeiten haben sollten jedoch einen HNO (Hals-Nasen-Ohren) Arzt aufsuchen.

Es gibt keine spezielle Behandlung für Funktionsstörungen der Eustachi-Röhre, aber zu wissen, dass der Druckausgleich länger dauern darf und sanfter sowie häufiger durchgeführt werden muss kann viel zur Vermeidung von Verletzungen beitragen.


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